Den Körper verlassen

Ich konnte noch nie (in dieser Inkarnation) an den Tod glauben.

Das erste Mal passierte mir etwas „Seltsames“, als ich ungefähr zweieinhalb Jahre jung war. Ich mache das Alter am Vorhandensein meiner um zwei Jahre, vier Monate jüngeren Schwester fest, wenn sie in der Erinnerung irgendwo auftaucht oder gar schon laufen konnte, weiß ich, wie alt ich ungefähr gewesen war.

Bei dieser Erinnerung hockte ich unter einem Busch in der Nähe unserer Haustür. Der Busch hatte hängende Äste, so dass es darunter höhlenartig wirkte. Ich blickte auf die im Sonnenschein hell leuchtenden Blätter und fragte mich, ob die sich wohl auch unterhalten können. Die Katzen miauen, Hunde bellen, Menschen sprechen … wie ist das mit Blättern?

Ich fühlte meine Zehen im weichen warmen Sand, die Feuchtigkeit in den Kniekehlen, Schweiß auf der Stirn, ich weitete mich aus, ich fühlte alles gleichzeitig, und noch weiter, ich fühlte die Blätter, war der Sonnenschein, noch weiter … bis in den Himmel.

Plötzlich rauschte es über mir. Ein Energiekreisel wirbelte über meinem Kopf. Mir war ein wenig schwindelig, wenn ich mich dem hingab … dann rief meine Mutter (mit dem neuen Baby an der Schulter). Sie wollte nur wissen, wo ich war. Ich stand gehorsam auf und lief zur Tür. Dort drehte ich mich um und sagte zu dem Kreisel: „Komm wieder. Ich will wissen, wer du bist!“

Ein paar Wochen später geschah das gleiche noch einmal. Diesmal verlief die Begegnung ungestört. Ein Mann erschien. Er hatte ein langes Gewand an, das mit einem Strick um die Taille „verziert“ war, Sandalen an den Füßen, und sein dunkelblondes halblanges Haar war in der Mitte gescheitelt. Er spazierte durch die Luft herunter, blieb vor mir stehen, dann kniete er nieder, denn er war so groß und ich sooo klein. Er sagte, er würde mich besuchen kommen, wenn ich einverstanden wäre. Er wollte mir „die Dinge hinter den Dingen“ zeigen. Klar, ich war einverstanden. Allerdings hatte ich bereits Zweifeln gelernt. Ich dachte mir: „Wollen doch mal sehen, ob er wirklich kommt …“

Er kam erst einige Wochen später, nachts, er weckte mich und nahm mich bei der Hand und zeigte mir, was Menschen normalerweise nicht erkennen. Es war Seth, der später (ab 1963) von Jane Roberts gechannelt wurde. Seth begleitet mich über einen Zeitraum von rund zehn Jahren. Er holte mich nachts ab, und wir gingen irgendwo hin. Mein Körper schlief im Bett. Seth sagte: „Ihm passiert nichts, du bist sicher!“ Und ich glaubte ihm.

Irgendwann, nicht lange nach den ersten nächtlichen Unternehmungen, wollte meine Mutter, dass ich mich zum Mittagsschlaf hinlegte. Ich hatte keine Lust dazu, aber das Leben war so aufregend, dass es eigentlich noch nötig war. An diesem Tag waren meine Oma und Tante zu Besuch, da wollte ich lieber zuhören, was die Großen erzählen, doch meine Mutter war unerbittlich. Ich musste mich auf das Sofa legen. Heimlich beschloss ich, ganz schnell einzuschlafen, um gleich darauf wieder zu erwachen. Dann hat sie ihren Willen und ich meinen. Gesagt, getan!

Ich erwachte und erhob mich aus meiner Bauchlage. Nur ein klein wenig irritiert blickte ich auf meinen eigenen Hinterkopf. Ich legte mich wieder hin und verschmolz mit dem Körper. Im Körper drin konnte ich nichts sehen, denn meine Augen waren geschlossen. Also erhob ich mich wieder, und wieder blieb mein Körper in unveränderter Position liegen. Also setzte ich mich auf und forschte im Gesicht meiner Mutter, was sie jetzt wohl sagen würde, da ich so schnell wieder auf war. Sie ignorierte mich. Ich wippte mit den Füßen, um auf mich aufmerksam zu machen. Aber sie sah mich nicht mal an, obwohl sie zum Sofa rüber sah. Sie meinte zu ihrer Mutter: „Seht euch das doch an, erst will sie nicht schlafen, und dann liegt sie da wie eine Tote!“

Ich rutschte vom Sofa hinunter und ging zu meinen Bauklötzen. Immer, wenn ich einen anhob, blieb er liegen, während ich ihn doch gleichzeitig in der Hand hatte. Irgendwie machte das Spiel aber keine Spaß. Also kroch ich mal unter den Stuhl, auf dem meine Oma saß. Das war auch so eine gemütliche Höhle, denn ihr langer weiter Rock fiel auf drei Seiten wie ein Vorhang hinunter. Plötzlich beugte sie sich nach vorne und setzte gleichzeitig ihre Füße nach hinten, dahin, wo ich hockte. Sie schrie leise auf und schüttelte sich. Dann sagte sie: „Ich glaube, da ist gerade jemand über mein Grab gegangen.“

Ich verzog mich und ging um den Tisch herum. Meine Mutter kam mit der Kaffeekanne, um ringsherum einzuschenken. Ich dachte: „Sie muss mich doch endlich bemerken!“, und blieb einfach stehen. Aber sie lief straks durch mich hindurch. Und jetzt sagte auch sie: „Du Mama, ich glaube, da ist eben auch einer über mein Grab gegangen.“ Sie schüttelte sich.

Da mir ihr weiter Taftrock durch mein Energiefeld geflattert war, was sich nicht gerade angenehm anfühlte, ging ich lieber wieder zu meinem Körper zurück. Ich holte den Hocker herbei und krabbelte wieder aufs Sofa. Dann legte ich mich auf meinen Körper und verschmolz mit ihm – und schlug die Augen auf.

Ich setzte mich und endlich bemerkte meine Mutter mich. Ich grinste und sagte: „Ich hab gar nicht geschlafen!“ Aber sie beteuerten, dass ich tief und fest geschlafen hätte. Dann begann ich zu erzählen, worüber sie gesprochen hatten. Meine Oma, Tante und Mutter stürzten herbei, knieten vor mir nieder und versuchten mir einzureden, dass ich das geträumt hätte. Aber ich konnte Wort für Wort ihre ganze Unterhaltung wiedergeben. Als ich ihre angstverzerrten Gesichter sah, hörte ich auf. Sie beruhigten sich erst, als ich so tat, als würde ich an das Ding mit dem Traum glauben. Natürlich glaubten sie es selber nicht, denn wie könnte ich eine ganze reale Unterhaltung träumen?

In der Folge wiederholte ich das aus dem Körper Treten jeden Nachmittag, wenn ich schlafen sollte. Ich sprach nur nicht mehr darüber, weil ich die Angst in ihren Gesichtern gesehen hatte. Aber mir machte es einen Heidenspaß, im Raum herumzulaufen, ohne dass mich jemand sehen konnte. Abends im Dunkeln war es nicht so witzig, das ließ ich sein, aber nachmittags immer. Ich traute mich allerdings nicht, das Zimmer, in dem mein Körper lag, zu verlassen, da ich erlebt hatte, dass mich ohne ihn niemand wahrnehmen konnte. Ich war in dem Alter auf Liebe und Zuwendung angewiesen, von daher war er mir sehr, sehr wichtig. Damals …

Wenn ein Mensch willentlich den Körper verlassen und wieder zurückkehren kann, dann ist – jedenfalls für mich – völlig klar, dass Sterben ebenfalls so abläuft: Ich verlasse den Körper, nur komme ich nicht mehr zurück. Weiter ist das nichts.

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