Der Kokon bricht auf

Die Raupe verpuppt sich, verändert alles in sich, bevor sie diesen Kokon aufbricht und als völlig neues Wesen, das überhaupt nichts mehr mit der einstigen Raupe gemein hat, zu erscheinen.

Wenn ein Seelenwesen im menschlichen Körper sich einem durchaus vergleichbaren Prozess unterzieht, ist das Erscheinen des „neuen göttlichen Menschen“ nicht so augenfällig. Der Körper scheint unverändert, aber im Inneren ist genau das gleiche geschehen wie im Kokon des werdenden Schmetterlings.

Ich bin vor ziemlich genau 11 Jahren wegen eines billigen Jobs von Tübingen nach Stuttgart gezogen. Mein Empfinden damals war, als würde ich untertauchen, irgendwie unter einer Käseglocke verschwinden, nach außen hin wohl sichtbar, aber irgendwie auch nicht erreichbar. Und ich war auch nicht erreichbar.

In diesen Jahren habe ich etliche so genannter Freunde kommen und gehen sehen, habe mich innerlich noch weiter von meiner Familie entfernt, habe fast gar keinen Kontakt zu meiner Nachbarschaft, die meisten kennen mich nicht mal vom Sehen. Von meinen Facebook Freunden habe ich keinen jemals in Natura gesehen, doch ich bin keineswegs einsam. Im Gegenteil, jeglicher Kontakt störte mich eher, als dass er mir angenehm wäre. Es WAR so, UND es war gut so.

Ich hab gelacht, als Adamus im letzten Shoud am Samstag davon sprach, dass wir „stinken“. Wenn der Kokon aufbricht, stinkt es, weil all das, was drin abgeschlossen war, jetzt an die Luft kommt. So ähnlich hat er sich ausgedrückt. Und ich lache, weil ich mich seit Tagen gewundert habe, wieso mein sauberes Bett, gelüftetes Zimmer, mein morgens gebadeter Körper – zwei Stunden im Bett gelegen – einen Dunst hinterlässt … !!!

Mein Kokon bricht auf. Ich merke es, weil z. B. plötzlich meine Blog-Statistik hochschnellt. Drei Wochen nichts geschrieben, doch gelesen wird wie nie zuvor. Mein Nachbar grüßt mich endlich, nachdem er sich elf Jahre bemüht hat, mich nicht zu sehen. Er wechselte sogar die Straßenseite und betrachtete dort eingehend die Baumkronen, weil er mich, die ich ihm entgegenkam, nicht sehen wollte. Grund gibt es nicht dafür. Die Menschen sind hier mindestens so eigenartig wie ich selber. Mir gefällt das. Aber dass er mir jetzt zunickt, wenn ich nach wie vor freundlich „Grüß Gott“ sage, das bedeutet schon was! Es sind noch unzählige andere Kleinigkeiten, die auffallen und hinweisen, dass meine Zeit im Kokon abgelaufen ist. Ich fühle und spiele mit dem Gedanken an eine neue Wohnung, an Videos zum Thema und dergleichen mehr. Aber immer ein Schritt nach dem anderen. Ich reite die Welle…

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2 Antworten auf „Der Kokon bricht auf

  1. Jaaaaaaaaa……..es tut sich ganz viel, ohne dass ich genau sagen könnte, was es ist……raus aus dem stinkenden Morrast……juhuuuu………und DANKE

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