Der zerrissene Vorhang

Manches Mal, wenn ein Kind auf die Welt kommt, dann erschrecken die Erwachsenen, die den Säugling betrachten. Das Kleine sieht die Gesichter über sich mit solche wissenden Augen an, so bewusst schaut es aus der Wäsche, dass manch einem eine Gänsehaut über den Rücken läuft.

Das Kind, besser: die Seele oder das Bewusstsein, das es ist, WEISS, wo es ist. Es prüft noch mal schnell, ob die Verkörperung tatsächlich geklappt hat. Dann zieht es so etwas wie einen Vorhang zu, den Vorhang des Vergessens. Jetzt kann das Abenteuer, ein Mensch zu sein, beginnen.

Ist das Abenteuer bestanden, ist das Leben gelebt, ausgesaugt, ausgelaugt, ist der Mensch satt gelebt, dann beginnt der Sterbeprozess, Gott sei Dank! Wie schlimm wäre es, wenn wir ewig hier auf Erden bleiben müssten, fern von zu Hause, abgeschnitten durch den Vorhang.

Es ist eine Erlösung im wahrsten Sinn, wenn wir endlich den engen Körper hinter uns lassen können, wenn wir den Vorhang wieder durchdringen und wieder dort sind, wo wir hergekommen waren: zu Hause! Im besten Fall beginnt der Weg (energetisch hinauf) zur Essenz, die Vereinigung mit dem Bewusstsein, von dem das menschliche Bewusstsein nur ein kleiner Teil ist.

Als Jesus starb, zerriss der Vorhang im Palast. Ein Symbol, das deutlich machen sollte, dass wir, die Menschen, einen Schleier zwischen dem irdischen Leben und dem unbegrenzten Zuhause gezogen haben, der mit Verlassen des Körpers „zerreißt“.

Die aufgestiegenen Meister der neuen Zeit öffnen aber ihren Schleier durch das Erlauben. Sie müssen nicht mehr sterben, um nach Hause zu kommen. Sie gehen durch ihre menschlichen Ängste vor dem Unbekannten, dem nicht mehr Vertrauten, aber dann, irgendwann, sind sie hindurch. Jetzt können sie ohne alle Vorbehalte wirklich ERLAUBEN, dass die Essenz in ihnen gegenwärtig ist, ohne Vorhang und ohne gestorben zu sein. Ist das nicht phänomenal?

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