Wenn der erste Mensch

Ich erinnere mich an früher, als ich ungefähr acht Jahre alt war und zum Kommunionsunterricht ging. Einmal fand der in den Räumen, die zur Michaeliskirche gehörten, statt. Der Pastor sprach an jenem Tag erst über den Himmel und danach sehr ausführlich über die Hölle. Als nächstes kam dann Jesus an die Reihe, seine Leidensstationen … und wir gingen in die Kirche hinüber, denn da war – ganz neu – Jesu Kreuzgang in allen Stationen auf Kupfertafeln dargestellt. Wir betrachteten den Leidensweg, der in etlichen Einzelbildern sehr realistisch abgebildet war, während der Pastor etwas darüber erzählte. Ich hörte nicht zu. Zwei oder drei Mädchen sah ich mit Tränen in den Augen weglaufen. Mir war auch nicht wohl. Ich hielt innere Zwiesprache mit Jesus: „Du dummer Kerl, warum bist du denn nicht weggelaufen?“, fragte ich ihn. Ich konnte nicht verstehen, warum er so etwas mit sich hat machen lassen.

Auf dem Nachhauseweg unterhielt ich mich mit Sanat Kumara. Mein menschlicher Teil funktionierte perfekt, ich überquerte alle Straßen ohne Gefahr, aber innerlich war ich ganz woanders.

Ich sah Bilder wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen und dachte an die Hölle. Ich besuchte dort manchmal jemanden, wenn Sanat (der für mich Gott war) weit entfernt beschäftigt war, so dass ich hoffen konnte, er würde es nicht so deutlich mitkriegen, wenn ich mal zu Besuch in die Hölle ging. Es war streng verboten, denn Hölle ist doch Strafe. Und zu der Strafe gehört auch Einsamkeit.

Ich sah, wie derjenige, der mir sehr vertraut war, ganz allein dort lebte. Und wenn er alt war, starb er, aber es war gleich, ob er lebte oder tot war, er war immer noch in der Hölle.

Ich sah auch, dass derjenige, wenn er sich wieder für ein Leben entschied, nur solange Eltern hatte, wie er sie brauchte. Meist war es nur die Mutter, die für ihn sorgte, bis er dazu allein in der Lage war. Dann verschwand sie oder starb auch. Dieser Jemand, den ich da aufsuchte, war aber nicht ganz allein, es lebten in diesem versteckten Winkel der Existenz noch andere, mit denen er ganz, ganz selten mal für kurze Zeit zusammentraf. Gott sah es nicht gern, deshalb trennten sie sich schnell wieder. Und so lebte jeder für sich in der totalen Einsamkeit.

Dieser Jemand, den ich irgendwoher gut kannte, brachte sich auch gelegentlich in jungen Jahren aus Verzweiflung um, es war aber wirklich gleichgültig, ob er lebte oder starb, er war völlig allein und ganz auf sich gestellt und litt Höllenqualen.

Irgendwie konnte ich Gott nicht verstehen. Warum hatte er sich diese Folter ausgedacht, warum tat er so etwas? Ich fand, er war grausam. Nicht nur, dass er seinen einzigen Sohn, Jesus, ans Kreuz schickte, er unterhielt auch diese Strafanstalt, Hölle genannt. Es war nicht die Hölle, wie der Pastor sie beschrieben hatte. Sie war schlimmer, sie war eiskalt und einsam wie die Taiga, und diese sinnlosen Zeiten, in denen die Delinquenten dort lebend oder tot verbringen mussten, waren buchstäblich schlimmer als alles, was man sich an Qualen vorstellen kann. Ich sah und spürte ja die Verzweiflung derjenigen, die sich dort aufhielten.

Dunkel tauchte die Erinnerung in mir auf, dass Gott mir irgendwann einmal versprochen hatte, er würde unter bestimmten Umständen die Hölle auflösen … sie einfach zumachen. Ich fragte ihn: WANN löst du denn endlich die Hölle auf? Ich kann das nicht mehr ertragen!“

Er lächelte ein wenig und sagte dann: „… wenn der erste Mensch um die Verdammten weint.“

Mir war so elend von all den inneren Bildern und Erinnerungen, dass ich sofort zu weinen anfing. Nach einer Weile meinte ich: „So, ich habe geweint, jetzt mach sie zu!“

Er tat – nichts. Aber ich wusste, da hing noch irgendwie ein Schwanz dran, den ich damals nur noch nicht richtig fassen konnte.

Heute weiß ich, der erste Mensch, das bin ich selber für mich. Und die Verdammten, das sind jene Teile, die ich von mir abgespalten und verbannt habe. Sie sind es, um die ich weinen sollte. Erst wenn ich meine Aspekte in Liebe wieder mit mir vereinen kann, ist ihre Hölle aufgelöst!

Advertisements

Angst vorm Schwarzen Mann

Du kennst den Kinderrein: „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“

„Niemand!“

„Und wenn er kommt?“

„Dann laufen wir…“

Der Schwarze Mann kann einem in vielerlei Gestalt begegnen, ganz real oder als Schreckgestalt in unserem Inneren. Es kann ein verlorener Aspekt von dir sein oder auch ein so genannter Spukie, ein Wesen, das sich üblicherweise in den erdnahen Bereichen aufhält und dort sein Unwesen treibt, was nicht wenigen bekannt ist als jemand, der sie im Traum ängstigt. Und wenn sie dann wach werden, sehen sie immer noch die graue Gestalt sich über das Bett beugen. Es sind Aspekte von Seelenwesen, die sich in den erdnahen Bereichen häuslich eingerichtet haben und dort gar nicht mehr weg wollen. Sie „nähren“ sich von der Angst und der Verwirrung jener, die ihren Körper hinter sich gelassen haben, also gestorben sind, oder von Menschen, die im Traumzustand Angst spüren. Davon werden diese Gestalten magisch angezogen, verspricht es doch, eine fette Mahlzeit zu werden.

Hast du solch einen Traum, dann solltest du wissen, dass du Spukies energisch wegjagen kannst. Sie müssen deinem Befehl gehorchen (und tun es auch). Du kannst auch gebieterisch verlangen, dass sie dein Haus niemals betreten dürfen, niemand darf das, der nicht persönlich dazu eingeladen wurde. Auch das funktioniert bestens.

Handelt es sich aber um einen Aspekte von dir, der „nach Hause kommen will“, dann solltest du ihn einladen, sich zu integrieren. Das ist für manch einen nicht so einfach, vielleicht fühlt er sich nicht willkommen. Er möchte „erkannt“ werden, er will, dass du weißt, wer er ist, und was er (seiner Meinung nach) verbrochen hat, weil er fürchtet, du könntest ihn immer noch ablehnen. Das passiert oft bei den so genannten Grauen, jene, die nicht nur Gutes getan haben in ihrer Lebenszeit.

Ich bin einmal nach Marrakesch gereist, um Fatma, eine Inkarnation von mir, nach Hause zu holen. Bewusst war es mir nicht, als ich im Bus saß und Halsschmerzen bekam, weil die Klimaanlage am Fenster zu kalt war… Es lag nicht an der Klimaanlage, sondern an der Angst.

Später, in der Innenstadt, hat Fatma mich geführt. Ich sah das Haus, in dem ich gelebt hatte, sah vor meinem inneren Auge die ganze Geschichte: Ich war eine Witwe mit 8 Kindern, mein Mann wurde auf der Straße erstochen, und ich musste die Kinder irgendwie durchbringen. Zur Zeit von König Hassan I. war das als Frau fast unmöglich. Aber ich habe es dennoch geschafft, die Jungen auf die höhere Schule zu schicken. Einer wurde Minister, ein anderer Arzt, und zwei der fünf Jungen wurden Rechtsanwälte, die drei Mädchen wurden reich und glücklich verheiratet. Und der Jüngste (erneut inkarniert und nun nebenbei tätig als unser Fremdenführer in Marrakesch, hatte in Deutschland studiert und sprach einwandfrei und akzentfrei Deutsch) war der Grund für Fatmas Zögern … Ich hatte ihn, das achte Kind, nicht haben wollen. Ich hatte versucht, ihn abzutreiben, weil ich in all den Jahren meiner Ehe immer nur schwanger war. Und deshalb hatte Fatma sich nicht einfach so getraut, sich zu integrieren. Unserem kühlen Kopf mag das banal erscheinen, doch auf der inneren Ebene ist eine so kleine Angst bereits ein krasser Hinderungsgrund. Das liegt daran, dass der Verstand nichts fühlen kann, von daher beurteilt er diese Handlungsweise ganz „cool“, also ungerührt. Für Fatima von damals war das ein schlimmes Vergehen, dass sie sich selber nicht verzeihen konnte. Sie wollte, dass ich heute davon weiß und sie trotzdem einlade, was mir natürlich leicht gefallen ist.

Manchmal sind es diese vielleicht gar nicht so kleinen Kleinigkeiten, die heftigen Aufruhr verursachen. Doch auch, wenn du nicht herausbekommen kannst, was der Aspekt dich wissen lassen möchte: Atmen, bewusst atmen, die innere Balance behalten, ihn liebevoll einladen. Und sonst gar nichts.

Will er wirklich kommen, dann wird er einen Weg finden, es dich irgendwie wissen zu lassen, welcher Art seine Tat war. Und wenn nicht, dann überlasse es dem Meister in dir, deiner Seele, dafür zu sorgen, dass er sich integrieren kann. Loslassen, Balance bewahren, weiter nichts. Das Leben ist ein Abenteuer, genieße es!

Die innere Verbindung mit sich selber

Seit vorgestern lese ich wieder in meinem Buch, dem unvollendeten. Ich glaube, es ist das hundertsiebenundvierzigste Mal, ich hab nicht wirklich mitgezählt …

Die Hauptperson bin ich in einer früheren Inkarnation. Mein Name war Beatriz. Und die Haupt-Hauptperson heißt Cristos, eine Inkarnation von Zebael (Adamus St. Germain ist eine andere Inkarnation von ihm). Es handelt sich also um eine wahre Geschichte, eine Biographie. Ich habe teilweise eigene Erinnerungen an das Geschehen, zu anderen Teilen habe ich auf einer inneren Ebene ein Hologramm seines Lebens gesehen, vor allem von den Teilen, bei denen Beatriz nicht dabei war, woran ich über die Figur (oder den Aspekt) Beatriz also auch keine Erinnerungen haben kann.

Was ich hier aber erzählen möchte, ist etwas Eigenartiges, was mir bei der Arbeit am Buch aufgefallen war. Es gab da diese Szene, Beatriz hatte Cristos, der eben von einem Besuch bei einem Herzog zurückkam, eingeladen, bei ihr zu wohnen. Er hatte keine Bleibe, und ihr Haus war sehr groß und leer. Da sie sich für die Zeit seiner Abwesenheit um seinen kleinen Sohn gekümmert hatte, ergab es sich, dass er in Begleitung seines Bruders zu ihr kam, um dem Jungen zu sagen, dass er zurück wäre.

Da er nun die Einladung angenommen hatte (etwas Besseres konnte ihm gar nicht passieren), zeigte sie ihm also das Zimmer, dann den angrenzenden Raum, der sich als Kinderzimmer für den Jungen gut eignete, und dann deutete sie auf die andere Tür: „Und dort drüben ist die Badestube.“ Das Haus war von einem Abkömmling des Herrscherhauses erbaut worden, das Schlafzimmer würde man heute „Suite“ nennen.

Bartholomé stand in der Tür, betrachtete die Einrichtung, dann raunte er seinem Bruder zu: „Färbt der Herzog ab?“

Ich in der Form der Beatriz verstand nicht, was er sagte. Aber unterbewusst war mir im selben Augenblick klar: „Ich werde es erfahren, wenn ich darüber schreibe.“ Da das also nicht im Tagesbewusstsein auftauchte, konnte ich es auch nicht reflektieren. Sonst hätte ich mich wohl fragen müssen, wie ich drauf komme, darüber schreiben zu wollen. So etwas war im 15. Jahrhundert für eine Frau einfach nicht denkbar, außerdem fühlte mich viel zu unbedeutend.

An einer anderen Stelle passierte Ähnliches. Ich wurde von unserem Jungen gefragt, ob ich einverstanden wäre, wenn er auch über mich schreiben würde, denn er verfasste gerade eine Biographie über seinen Vater, den Admiral. Und er meinte, ich wäre sehr wichtig für ihn gewesen, von daher müsste ich auch entsprechend gewürdigt werden. Aber ich fand es gar nicht wichtig, dass die Welt etwas über mein Leben erfährt. Ich dachte mir, „irgendwann erzähle ich mal die ganze Geschichte aus meiner Sicht“, denn unser Sohn wusste einiges nicht, über das ich auch nie mit ihm gesprochen hätte.

Beide Begebenheiten waren nicht wirklich bewusst abgelaufen. Ich erkenne sie heute besser als damals, denn mein Bewusstsein hat sich verändert, ist weiter, umfassender geworden. Was ich bedeutsam finde: ICH BIN zeitlos. Wie Adamus sagt: „Alles ist gleichzeitig – und auch wieder nicht.“ Ich bin die Beatriz von damals, und ich bin der Mensch Eva von heute, gleichzeitig, denn Beatriz ist ebenso wie der heutige Mensch jeweils ein Aspekt der Essenz. Sie haben eine innere Verbindung miteinander, sie wissen voneinander, sie fühlen sich gegenseitig. Vielleicht kann man sagen, ich, der heutige Mensch, bin als Potential in der Beatriz vor 500 Jahren, so wie Beatriz in mir heute als ein Aspekt integriert ist. Da das Bewusstsein keine Form oder Masse hat und keiner Zeit unterlegen ist, können sich die Teile miteinander verständigen und sich fühlen. Es dringt üblicherweise nicht ins Tagesbewusstsein der menschlichen Inkarnation, da diese den Vorhang zugezogen und vergessen hat, wer sie ist, und woher sie kommt, ebenso wie sie ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten vergaß. Von daher fühlen sie sich auf der unbewussten Ebene – unbewusst, was den menschlichen Teil betrifft. Alle anderen Teile können alles wahrnehmen, wenn sie wollen.