Im Kokon

Ich bin eine Raupe. Ich war allezeit eine Raupe, fest mit all meinen Beinen auf dem Untergrund verhaftet. Ich fraß wie alle anderen auch alles, was ich kriegen konnte. Meine Farben waren schwarz-gelb, Warnfarbe für die Fressfeinde. Denen wollte ich nicht schmecken.

Und eines Tages hatte ich die Faxen dicke, ich hatte genug vom Fressen und herumkrabbeln, es wurde mir alles zu viel. Ich zog eine dicke Decke um mich herum, wickelte mich total darin ein, und dann begann etwas … Alles in mir veränderte sich, mein Inneres wurde buchstäblich zu Brei zerstampft. Aber ich war sicher in dieser Decke, diesem Kokon.

Und jetzt fühle ich mich, als müsste ich gleich zerspringen. Ich will raus hier, dieses Ding erstickt mich noch. Ich weiß nicht, wie ich mich bewegen kann, weiß nicht, ob ich mich überhaupt bewegen kann, habe nur eine Ahnung, wie ich meine Arme … meine Flügel ausbreiten könnte. Es ist eng in diesem Kokon. Ich bin wie gelähmt nach Tausenden von Jahren und Lebzeiten in der menschlichen Begrenzung.

Ich spüre, es ist Zeit, die Hülle zu sprengen, aber ich habe alles vergessen … doch ich kann hier nicht länger bleiben! Es ist an der Zeit, ich muss mich jetzt befreien, irgendwie …

Am Tag danach …

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Entfaltung unter dem Mikroskop

Als ich mit dieser Entfaltung begann, verstand ich nicht wirklich, was mit mir passierte. Ich war allein und erlebte so allerhand, was ich niemandem erzählen konnte. Ein paar Jahre später war dieser erste Teil meiner „Ausbildung“ abgeschlossen, ich war bereit, meine Mitstreiter kennenzulernen, Shaumbra aus aller Welt – in einem Internet Forum.

Das erste, was passierte war, dass jeder jeden aufmerksam betrachtete: Wer steht wo? Wo ordne ich mich ein? Dann gab es Streitereien, wer wohl bereits „angekommen“ wäre und wer nicht. Vergleichen fand statt. Das ist normal in unserer Leistungsgesellschaft, es treibt uns an, mehr, schneller und effektiver zu leisten, uns selber zu übertreffen bis zum burnout.

Ein Aufstiegsweg hat aber rein gar nichts mit Leistung zu tun, im Gegenteil. Es ist Entfaltung. Oder wer wollte eine Blume danach beurteilen, wie schnell, kraftvoll oder effektiv sie zu blühen versteht?

Wir Menschen sind Individuen, wir haben uns individualisiert aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungen, die wir nicht nur in diesem einen Menschenleben gemacht haben. Alle Erfahrungen, die wir durchlaufen haben, erfolgten nicht linear, schematisiert, wie am Fließband, sondern aus dem tiefsten Gefühl einer jeden Seele heraus, ungeordent, spontan und aus der Lust am Kreieren.

Und auch, wenn diese Shaumbra Gruppe sich auf demselben Weg befindet, steht dennoch jedes einzelne Individuum an einer anderen Stelle. Genau genommen ist jede Person bereits ein Teil des Weges an sich. Die Menschen bilden gewissermaßen erst den Weg. Nimm einige davon weg, dann siehst du leere Stellen, Löcher. Nimm alle weg, dann gibt es diesen Shaumbra-Weg gar nicht. So wird vielleicht klar, dass jeder einzelne systemrelevant ist.

Es sieht für mich so ähnlich wie ein Patchworkläufer aus. Jeder hat sein eigenes Muster, jeder seine ureigenste Farben und alle zusammen ergeben wir ein Gesamtbild, in dem jeder seinen spezifischen Platz hat.

Wer wollte jetzt noch dieses einzelne Muster mit jenem vergleichen? Wer wollte sagen, einer wäre weiter als der andere, wer kann da über wen triumphieren? Das geht gar nicht, denn auch wenn einer an einer Stelle zögert, blockiert oder stagniert, so rennt er vielleicht los und überholt alle anderen, wenn er diese Stelle endlich passiert hat. Und immer ist es nur eine einzige von Hundertausenden Stellen, an denen man so oder so weit ist. Insgesamt gesehen sind wir alle ganz, ganz vorne. Wir führen die Menschheit an, wir bahnen den Weg in das Bewusstsein für alle anderen Führer in Politik und Wirtschaft. Wir alle sind unvergleichlich – und das meint nicht nur Shaumbra.

Genau genommen sind wir alle bereits in dem Augenblick „da“, wenn wir die Entscheidung treffen, aufsteigen zu wollen, denn auf den anderen Ebenen passiert so etwas augenblicklich. Nur hier auf der Erde durchläuft alles „Zeit“, also Wahrnehmung in linearer Weise, so dass wir Gelegenheit haben, alles genauestens in der Langsamkeit zu „durchleben“, Erfahrung unter dem Mikroskop, könnte man auch sagen.

Wir sind bereits angekommen, wir sind bereits erleuchtet, aufgestiegen, was auch immer …