Windstill

Wie sagt man, „selig sind die Bekloppten“? Kann ich bestätigen. Wer nichts im Kopf hat, was beschwert, was Sorgen bereitet, der kann selig sein.

Ich sitze hier und versuche, mir ein Thema für den Blog einfallen zu lassen, aber es fällt einfach nichts. Dafür lache ich vor mich hin (das klingt doch schon mal reichlich bekloppt, oder?), ich freue mich über nichts, ich fühle mich wohl, fühle nicht, dass ich etwas tun sollte oder gar müsste. Ich hab keine Bedürfnisse, keine Sorgen… irgendwie selig, ich, allein zu Haus, und nichts zu tun. Ha ha ha, wenn das nicht komisch ist!

Es hat lange gedauert, hierher zu kommen, sehr lange sogar. Ich bin gerannt, hab mich abgehetzt, hab alles verloren, alles hinter mir gelassen. Ich war verzweifelt manchmal, dachte, ich schaffe es nie, aber entweder stirbt man daran, oder man schafft es. Dazwischen gibt es nichts.

Und nun ist es soweit. Ich bin frei von all dem, was die Menschen so quält und ihnen zu schaffen macht. Mich kann nichts mehr umhauen, dafür berührt mich vieles viel mehr als je zuvor. Ich fühle tief, schmerzhaft manchmal, Liebe kann wehtun, ja… Aber um nichts in der Welt möchte ich mehr mit meinem oder deinem alten Leben tauschen, weil … endlich hat die Drangsalierung des Verstandes aufgehört. Er ist still, er dient mir, aber er kontrolliert mich nicht mehr. Und so gibt es auch kein Zweifeln mehr. Es ist einfach, selig zu sein. Nur der Weg dahin ist lang.

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Freude

Du lächelst abends im Bett. Es gibt keine Grund. Du entscheidest dich, Musikvideos zu sehen, weil du nicht schlafen kannst. Nach einer Weile singst du mit – bis der Nachbar an die Wand klopft. EIn Blick auf die Uhr sagt dir, es ist zwei Uhr nachts. Okay, du beschließt, dir jetzt ein Frühstück zu gönnen. Danach musst du unbedingt rausgehen, ein paar Bäume umarmen. Du lachst unterwegs. Ein einsamer Spaziergänger sieht dich seltsam an, du lachst jetzt lauter. Dann rennst du in den nahen Wald, du weißt nicht, wohin mit deiner Freude, also umarmst du die zunächst stehende Birke. Du stolperst weiter, glucksend, weil du immer wieder das Gleichgewicht zu verlieren scheinst. Dann setzt du dich auf die Lehne einer Bank, die am Wegesrand steht.

Es beginnt zu regnen. „I’m singing in the rain…“ Du versuchst ein paar Stepschritte auf der Bank. Du lachst dich schier kaputt. Es gibt keinen Grund. „I’m dancing in the rain….“

Du hüpfst hinunter, gehst wieder in bewohnte Gebiete, singst weiter: „… what a glorious feeling, I’m happy again!“ Jemand schreit: „RUHE!!!“ Das animiert dich, das Geschrei mit einem Trommelsolo auf der Mülltonne, die am Straßenrand steht, zu untermalen. „I’m happy again!“

Nein, nein, komm nicht auf solche Gedanken, ich kann nicht steppen. Aber Freude … das ist Freude, tief aus dem Herzen, du kannst dich nicht beherrschen, du kannst nicht schlafen, du musst irgendetwas tun, sonst platzt du.


„I’m singing in the rain“, Gene Kelly