Segen verschenken

Beim vergeblichen Versuch einzuschlafen, kam mir wieder einmal Sanat Kumara in den Sinn. „Seltsam“, möchte mein Mensch sagen, „ich weiß gar nicht …“ Doch, ich weiß es aus Erfahrung: Immer, wenn mir jemand ins Bewusstsein kommt (und dabei ist Bewusstsein das Schlüsselwort), ist klar, dass derjenige „anwesend“ sein muss, sonst würde er mir nicht bewusst werden.

Sanat also … und wenn er da ist, dann steht mit Sicherheit irgendetwas Großes an. Ich werde es euch wissen lassen, wenn es klarer wird.

Aber jetzt erst einmal zu meiner Erinnerung an die Zeit, als wir gewisse Dinge aufgearbeitet hatten. Ich glaubte damals noch, er sei der Gott der Kirche. Er wollte auch, dass ich wieder in den Schoß der Kirche zurückkehre, die ich mehr als zwanzig Jahre zuvor verlassen hatte. Man muss sich in das System hineinbegeben, um darüber hinausgehen zu können. Vielleicht wird es dir deutlicher, wenn du dir einen Fahrstuhl vorstellst: Du musst einsteigen, hineingehen, um hochzufahren. So ist es mit jedem System, man kann es nur von innen heraus verändern. (Ganz nebenbei, ich bin nach angemessener Zeit auch wieder ausgetreten aus dem System Kirche.)

Bei irgendeiner Gelegenheit hörte ich mich mal zu ihm sagen: „Ich segne dich …!“ Ich war total erschrocken, verunsichert, wie kann ich, der kleine Mensch, einen GOTT SEGNEN?

Wir haben doch gelernt, dass wir niederknien müssen vor seiner Größe, uns am besten noch der Länge lang in den Staub werfen, und auf jeden Fall sollten wir arm sein und das Büßerkleid anhaben, um vielleicht, wenn er mal einen guten Tag hat, seinen Segen für uns selber rauszukitzeln. Wie kann ich es dann wagen, IHM meinen kleinen nichtswürdigen Segen anzubieten?

Ich habe lange gebraucht, kam zu keinem Schluss … und er sagte auch nichts dazu.

Aber nachdem ich mich innerlich aus dem Staub erhoben und ihn auf die ihm gemäße Größe reduziert habe, ist es durchaus angemessen, auch ihn zu segnen, denn er ist Gott, ich aber auch. Und wir alle haben Segen zu verteilen. Es bedeutet nichts weiter, als dass ich einem anderen Menschen oder besser: einem Göttlichen Wesen eine bestimmte Energie zur Verfügung stelle, die der Empfangende nutzen kann, wenn er es wählt. Es ist eine Art Geschenk, eine Anerkennung und eine Würdigung dessen, was er tut. Ich ehre ihn damit.

Wenn ich etwas empfange, bringt es die Energien wieder ins Gleichgewicht, wenn ich dafür auch etwas gebe. Meine Gaben sind letztendlich immer auf dieses zu reduzieren: Energien und/oder Liebe. Und beides sollten wir mit ganz großen offenen Händen verschenken, wir sollten verschwenderisch damit um uns werfen, es kommt mit Sicherheit irgendwie und irgendwann zu uns zurück.

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Erkennst du den Segen darin?

Nimm an, du hast einen Euro und willst ihn teilen. Du trennst die Vorderseite von der Rückseite. Wenn du jetzt die Hälfte mit der Zahl auf den Tisch legst, erkennt man nicht gleich, dass es sich eigentlich nur um die halbe Münze handelt. Willst du damit einkaufen gehen, wird dir der Händler das Ding vor die Füße schmeißen, weil er zu Recht Betrug vermuten wird. Das Geteilte ist nicht die Hälfte wert, sondern gar nichts.

Wen betrügst du in Wirklichkeit, wenn du die Dinge auseinandernimmst und eine Hälfte davon verschwinden lässt?

Diese Analogie kann man auch auf anderes übertragen. Nimm als Beispiel Hass. Kein angenehmes Thema, ist es doch negative Energie, und wir wollen doch so gern positiv sein. Also sehen wir uns zu gern nur als liebevolle Wesen. Mit Hass haben wir nichts zu tun.

Wenn du nur kurz in deinem Inneren forschst, ob du da Hass findest – du wirst es nicht finden. Es ist verborgen, du hast solche Gefühle, die du als negativ einstufst, ins Unbewusste verdrängt. Aber wenn du weiter suchst, wenn du dir deine Familie ansiehst, vor allem die ungeliebten Personen, dann wirst du Hinweise finden können. Sie gehören nicht zufällig zu deiner Familie.

Ich meine nicht nur Hass in diesem Beispiel, es gibt so viel, was die Menschen verdrängen. Sieh dir einfach deine angenehmen Seiten an und suche nach dem anderen Teil, der fehlt. Es gibt IMMER auch die andere Seite. Solange du sie nicht findest, ist sie verdrängt und wirkt. Hast du sie ausgemacht, angesehen, aufgelöst, erst dann hast du die Wahl, dich wirklich für die positive Seite zu entscheiden, also der liebende Mensch zu sein, der du gerne wärst.

Solange du nur die eine Hälfte der Münze verwenden willst, ist sie gar nichts wert. Du liebst nicht wirklich, du tust nur so. Und das ist rosa Soße, die du über alles kleckerst, und die alles zudeckt. Aber Aufräumen geht anders.

Kannst du die unangenehmen Emotionen auflösen, dann hast du das sicherlich zuerst einmal für dich selber getan. Aber darüber hinaus hat es einen ganz großen Einfluss auf deine gesamte Familienlinie bis zu den Anfängen in die fernste Vergangenheit zurück.

Du veränderst mit jedem einzelnen aufgelösten Gefühlsknoten die ganze Welt, denn in Wirklichkeit gibt es keine Vergangenheit, keine Zeit. Alles ist gleichzeitig, das heißt, auch deine Vorfahren und du selber (das, was du heute Aspekte nennst) in so genannten vergangenen Inkarnationen sind davon betroffen, was du jetzt erlebst und fühlst. Es liegt bei dir, alles radikal zu verändern hin zur wahren Liebe – ohne Rückseite. Denn die Rückseite gibt es nur in der Dualität, in der wir alles zerteilt hatten. Füge das wieder zusammen, indem du es erkennst, anerkennst und in Liebe umarmst, dann bist du in der neuen Energie. Erkennst du den Segen darin?